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03.07.2009

Waschen, wenn der Wind weht

Von: Susann Leder

Ein Marktplatz wie eBay, auf dem jeder Energielieferant seinen Strom verkaufen kann. Die Lieferung erfolgt auf Abruf, abhängig davon wie stark gerade die Sonne scheint oder der Wind weht. Mit dem „Internet der Energie“ ist das bald Realität.

Strom verkaufen wie bei eBay - abhängig von Sonne und Wind (Foto: jupiterimages)

Das „Internet der Energie“ soll dafür sorgen, dass der Strom zur richtigen Zeit in der richtigen Menge an den richtigen Ort gelangt – so umweltbewusst wie möglich.

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In dem Forschungsprojekt arbeiten SAP und weitere Softwareunternehmen zusammen mit namhaften Forschungseinrichtungen und Energieversorgern daran, die Stromerzeugung und den –verbrauch elektronisch intelligent zu koordinieren.

Dabei leiten sie vor allem die zukünftigen Entwicklungen im Energiemarkt. Mehr über die Ziele, die Herausforderungen und den Stand des komplexen Projektes verrät der Arbeitskreisleiter Dr. Orestis Terzidis im Interview mit SAP.info.

SAP.info: Was ist das Ziel vom „Internet der Energie“?

Dr. Terzidis: Der Leitgedanke ist, die verfügbaren Informationen rund um Energie viel intensiver zu nutzen. Denn für einen effizienten Umgang mit Energie ist es bereits fünf vor Zwölf. Unsere fossilen Energierohstoffe gehen langsam zur Neige und werden demzufolge immer teurer. Doch die wachsende Bevölkerung verlangt nach noch mehr Energie.

Das wiederum lässt die Treibhausgas-Emissionen steigen: Seit der Industrialisierung hat der CO2-Gehalt in der Atmosphäre um 40 Prozent zugenommen. Bis zum Jahr 2100 wird sich die Erde im schlimmsten Fall um bis zu sechs Grad erwärmt haben.

SAP.info: Wege aus diesem Dilemma bieten erneuerbare Energien aus Wind, Wasser und Sonne?

Dr. Terzidis: Ja, aber die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energiequellen muss in die vorhandene Stromversorgung integriert werden. Nachdem diese jahrzehntelang eher zentral angelegt war – wenige große Energieerzeuger bedienen viele Verbraucher – vollzieht sich auch hier aufgrund liberalisierter Energiemärkte ein Wandel.

Es ist davon auszugehen, dass bis zum Jahr 2015 eine Vielzahl dezentraler und fluktuierende Akteure den Markt bestimmen werden. Das erfordert neben einer wesentlich flexibleren Spannungshaltung und effizienteren Lastflusssteuerung auch gemeinsame Schnittstellen, über die sie miteinander kommunizieren und interagieren können.

Und hier kommt das „Internet der Energie“ ins Spiel: Es vernetzt alle Komponenten des Energiesystems intelligent und elektronisch miteinander und bildet diese auf einer virtuellen Plattform ab. Das bisherige, passive Energienetz mit Einweg-Kommunikation entwickelt sich damit zu einem marktorientierten, Dienste-basierten und dezentral organisiertem System.

SAP.info: Sozusagen eine Art eBay für Strom?

Dr. Terzidis: Ja, salopp gesprochen geht es schon in die Richtung von Marktplätzen oder Mikrobörsen für Strom. Auf jeden Fall sind neue Geschäftsmodelle denkbar á la jeder Verbraucher stellt sein Energiepaket auf eine Plattform und jeder, der gerade Strom benötigt, kann dieses zu einem gewissen Preis abrufen.

Und um wieder auf die Energieeffizienz zurück zu kommen: Den Preis bestimmen Angebot und Nachfrage, d.h. ist gerade viel Windenergie verfügbar, dann sinkt er, andernfalls steigt er.

Privatkunden, öffentliche Einrichtungen sowie auch kleine und mittlere Unternehmen können ihren Energieverbrauch dadurch reduzieren oder zeitlich so verschieben, dass keine Lastspitzen und Engpasssituationen mehr auftreten.

Möglich machen das ein verstärkter Einsatz von energetisch optimierender Hausautomation und von Smart Metering.

Für alle Beteiligten ergibt sich so eine Win-Win-Situation: Privathaushalte sparen Geld, die Umwelt spart CO2 und der Energieversorger kann teure und umweltbelastende Spitzenlasten vermeiden.

Neue Geschäftsmodelle im „Internet der Energie“

  • Stromnetzbetreiber werden zu Informationsdienstleistern
  • Attraktivere Contracting-Modelle, vor allem auch für Kleinstanlagen in Haushalten
  • Großhändler kaufen Energieressourcen an und verkaufen diese als maßgeschneiderte Produkte weiter
  • Sekundärprodukte zur Absicherung von Preisschwankungen, Prognose-Unsicherheiten oder Wettereinflüssen
  • Neue Service-Anbieter wie z.B. virtuelle Regelenergiekraftwerke
  • Dynamische Strompreise

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