06.09.2013   //  Von: Andreas Schmitz

SAP und Karlsruhe Institute of Technology

Software vorhersagbar machen

Während des Programmierens erkennen, wie sich die Codes auf die Performance des Systems auswirken: Das ist das Ziel eines schon jetzt preisgekrönten DFG-Projektes des Karlsruhe Institute of Technology.

Schon in seiner Diplomarbeit beschäftigte sich Alexander Wert mit dem Erkennen von Performance-Problemen durch Software. Die Fragestellung: Lässt sich schon während des Programmierens abschätzen, wie sich die Codes auf die Performance des Gesamtsystems auswirken werden? Inzwischen ist aus der Abschlussarbeit im Studiengang Informatik am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) eine Promotion geworden. Und nach einem Jahr Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Platform Research bei SAP kann Wert erste Erfolge aufweisen. „Anhand eines Testsystems konnten wir während des Programmierens sehen, ob das vorhandene Netzwerk oder der Connection-Pool zu klein sind“, so Wert – also zu wenige Verbindungen zur Datenbank vorhanden sind. Das Testsystem hat Wert künstlich unter Stress gesetzt und konnte so feststellen, ob es dieser Belastung Stand hält oder nicht. Auf der diesjährigen CompArch-Konferenz im kanadischen Vancouver bekam Alexander Wert dafür bereits den Young Investigator Award verliehen.

„Das ist ein sehr ambitioniertes Unterfangen“, kommentiert der Leiter der Forschungsgruppe bei SAP Wolfgang Theilmann das Vorhaben von Wert, der einer von vier Promotions-Studenten in seiner 12-köpfigen Forschungsgruppe in Karlsruhe ist. Theilmanns Fokus liegt auf der Performance von Software. Sein Ziel ist es, Forschung industrierelevant zu machen – also jene Wissenschaft, die etwa das KIT betreibt, in die Praxis zu übertragen. Die Methode, die Wert für die Analyse von etwaigen Performanceblockern gewählt hat, ist die Mustererkennung. Die Sprach- oder Gesichtserkennung etwa basiert auf dem gleichen Prinzip. Aus abertausenden Sprachfetzen oder Gesichtern wiederkehrende Elemente erkennen und daraus Gemeinsamkeiten ableiten. Übertragen auf die Programmierung von Software geht es zunächst einmal darum, jene Zeilen im Code zu kennen, die Probleme in der Performance hervorrufen können. „Sie können die Software aber nicht händisch an 1000 Ecken und Kanten überprüfen“, so Theilmann. Die Mustererkennung soll helfen. Ein Pionierprojekt.

Sehen Sie im detaillierten Schaubild, wie die automatisierte Performance-Problemanalyse ablaufen soll.

Paradigmenwechsel für das Programmieren von Software

Und ein Paradigmenwechsel. Heute interessiert sich der Programmierer nicht für die Performance seiner Software. „Er schreibt die Codes, bis die Software lauffähig ist“, sagt Wert. Erst später, wenn die Software längst im Unternehmen im Einsatz ist, bekommt er eine Liste an Problemen wieder auf den Schreibtisch gelegt. „Der Entwickler bekommt eins auf die Finger, dabei ist er doch gar kein Performanceexperte“, bemerkt Wert. Das übernehmen in der Regel die „Operatoren“, die die Software in die Praxis überführen. Gelingt es, diese Korrekturphase schon vor dem Einsatz beim Kunden zu erledigen, ist das ein Riesenschritt. „Es spart Zeit und hilft Probleme zu erkennen, die in der Praxis noch gar nicht aufgetreten sind“, so der Leiter der SAP-Forschungsgruppe Theilmann.

Im nächsten Schritt wird Personalmanagementsoftware von SuccessFactors auf entsprechende Schwachpunkte hin untersucht – der erste wirkliche Stresstest in der Praxis.

Weitere Informationen zur Herangehensweise von Alexander Wert finden Sie in einer ausführlichen Beschreibung des Projektes.

Mehr zum Thema:  SAP Software

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