
Volkswagen setzt auf Private Cloud: Klaus Hardy Mühleck, CIO von VW (Foto: Frank Völkel)
Automotive Symposium: 145 Euro pro Auto
Volkswagen verlagert wichtige Händler-IT-Systeme in die Cloud, Porsche Leipzig kommt ohne Lagerhaltung aus. VW setzt auf eine einzige SAP-Stückliste über alle Marken. Die neuesten Entwicklungen live vom Automotive Symposium 2010.
Autos sind hochkomplexe Industrieprodukte. Gefertigt von hochkomplexen Großunternehmen mit weltumspannendem Netzwerk. Jährlich werden rund 60 Millionen Autos gebaut. Während ein VW Käfer in den 1960er Jahren noch aus 3.000 Einzelteilen zusammengebaut wurde, besteht beispielsweise ein aktueller VW Tiguan aus 60.000 Einzelteilen. Letztere kommen aus einem globalen Netzwerk hoch spezialisierter Zulieferer, die fast alle “just in time” zu marktfähigen Produkten zusammengesetzt werden.
Die Automobilindustrie hat in den vergangenen zwei Jahren die größte Krise ihrer etwas mehr als hundertjährigen Geschichte durchgemacht. Schließlich steht sie mittelfristig vor einem technischen Paradigmenwechsel, der in Richtung Elektromobilität geht und in spätestens 10 Jahren nach vollkommen veränderten Prozessen verlangt. Allerdings taucht dieses Thema eher in Nebensätzen auf dem Automotive Symposium 2010 auf, welches am 27./28.10. in Mainz abgehalten wird. Vielmehr geht es um die Beherrschung der komplexen Waren- und Informationsflüsse und die zentrale Fertigung bei dezentralen Endmontagen in weltumspannenden Liefernetzwerken. Gegenüber dem vergangenen Jahr ist die Stimmung deutlich besser und die Teilnehmer freuen sich über ein deutlich belebtes Geschäft – siehe Artikel Autoindustrie: Prozesse gut, alles gut?
Der elektronische Datenaustausch erfolgt dabei zwischen beteiligten Werken und Partnern. Für die Serienproduktion werden Lieferabrufe mit Vorschaumengen und produktionsnahe Feinabrufe an die Zulieferer auf elektronischem Wege gesandt. Die Zulieferer senden elektronische Lieferscheindaten an die Hersteller, die beim Wareneingang bereits beim Kunden vorliegen müssen. Der Zahlungsausgleich erfolgt entweder über Rechnungen oder über Gutschriftverfahren.
Volkswagen-IT = IBM + SAP + MHP
Große Resonanz gab es auf die Ausführungen von Volkswagen-CIO Klaus Hardy Mühleck, der auf eine einzige SAP-Stückliste innerhalb des gesamten Konzerns verwies. Weiterhin wolle Volkswagen in Kürze einen Großteil der Händler-IT-Systeme über eine Private Cloud abdecken, um gleichzeitig so die Kosten zu senken und die Standardisierung voranzutreiben. Derzeit steuere das Großunternehmen die Lohnzahlungen seiner 370.000 Mitarbeiter mittels SAP-Software, hieß es weiter in Mühlecks Ausführungen. In Kürze werden die beiden Konzern-Rechenzentren Wolfsburg und Ingolstadt für die nötige Rechenkapazität sorgen. Schließlich wolle VW zum weltgrößten Automobilhersteller im Jahre 2018 aufsteigen und dann 300 verschiedene Fahrzeug-Modelle über 12 Marken anbieten und im Jahr 10 Millionen Autos verkaufen. Dass der Konzern schon heute aus Sicht der IT an der Weltspitze stehe, indem er auf umgelegte Kosten von 145 Euro pro produziertem Fahrzeug komme, verwies Mühleck in seinen Ausführungen.
Porsche Leipzig: Produktion ohne Lagerhaltung
Der verhältnismäßig kleine Autohersteller Porsche, der sich demnächst voll im Volkswagen-Konzern einreiht, zeigte am Beispiel vom Produktionsstandort Leipzig, wie sich eine niedrige Fertigungstiefe, vollkommen neue Fahrzeug-Modelle und effiziente Zulieferersteuerung realisieren lassen.


