29.08.2013   //  Von: Claudia Linke

 Quelle: Frankfurter Allgemeine Buch

Quelle: Frankfurter Allgemeine Buch

Buchvorstellung

Wie uns Smartphones manipulieren

Internet und Smartphones sind so alltäglich geworden, dass wir gar nicht merken, wie wir beeinflusst werden – so die These in „Der programmierte Mensch".

Auf dem Tablet Mails schreiben, nebenher den Facebook-Status auf dem Smartphone updaten und gleichzeitig den Fernseher laufen lassen. Per Lauf-App sich selbst digital vermessen, blind auf Suchmaschinen-Ergebnisse und die Routenplanung des Navis vertrauen – trotz regelmäßiger Berichte von Autofahrern, die sich plötzlich im Nirgendwo wiederfinden. Thomas R. Köhler zeichnet in seinem Buch „Der programmierte Mensch. Wie uns Internet und Smartphone manipulieren“ das Bild von einem modernen Alltag, der rund um die Uhr vom Internet bestimmt wird – vor allem im mobilen Format.

Durch das Internet hat sich viel geändert. Die Arbeitswelt steht unter digitalem Anpassungsdruck und wird geprägt von Telekonferenzen, Instant Messaging und Bring-your-own-device (BYOD). Und auch unser privater Alltag verändert sich: Online-Shopping statt Einkaufen im Stadtzentrum, personalisierte Werbung und Produktion (wie der Zusammenstellung von eigenen Müslis online) und Car-Sharing. Dass uns Smartphone und Internet bei alldem schon heute manipulieren, steht für Köhler fest: Die ständige Erreichbarkeit führe zu Unverbindlichkeit in Absprachen, und die Gesellschaft werde zu einer „Do-it-yourself“-Gesellschaft, in der der Urlaub selbst online gebucht wird statt im Reisebüro. Ein ständiges Multitasking führe zu Unproduktivität am Arbeitsplatz und riskantem Fahrverhalten im Straßenverkehr, wenn unterwegs  noch ein Tweet versendet werden muss. Lesegewohnheiten ändern sich, wie auch die zwischenmenschliche Kommunikation, die in „Umfang und Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt“ ist. „Kann das gut gehen?“, fragt sich der Autor und schickt einige Forschungsergebnisse hinterher, um zu belegen, dass sich die neue Art, schriftlich und elektronisch zu kommunizieren, negativ auf unser Ausdrucksvermögen und  unsere Gehirnleistung auswirkt.

Bequemlichkeit wird ausgenutzt

Die Diskussion um den Wandel der Kommunikation und den Einfluss der Technik auf unser Leben ist sicher keine neue. Doch Köhler sieht das eigentliche Gefahrenpotential  an anderer Stelle: Dass die neuen Entwicklungen den Menschen lenken können, weil sie bei ganz elementaren Eigenschaften ansetzen. Bei seinen Grundbedürfnissen, beim inneren Schweinehund – und hier könne durch den richtigen „Schubs“ viel bewirkt werden. Bezeichnend ist das Beispiel des Reiseanbieters, der den günstigsten Preis ausgraut und einen anderen markiert, den der unaufmerksame Kunden daraufhin bucht. Auch der Hang des Menschen, sich gerne mit seinem ‚Ich‘ zu beschäftigen, mache ihn anfällig. Google, Facebook & Co. protokollieren jede Onlineaktivität und Nutzer geben immer mehr Daten preis.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Gamification – der Computer steuert den Menschen

Mehr zum Thema:  Apps, Bücher, Mobile

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